Jahresrückblick 2020

Sonntag, 27.12.2020

In diesem Jahr schaue ich nicht gern zurück. Lieber will ich nach vorne schauen. Auf das was sich an Möglichkeiten bietet, auf das was ich anders, besser machen kann und möchte. In meinem Alltag, mit meinem Blog. In diesem Jahr der Tiefpunktrekorde fällt es mir auch seltsam schwer Highlights hervorzuheben. Soviel wie in keinem Jahr zuvor habe ich zwar gelesen, gehört und geschrieben. Habe mir keine digitale Auszeit gegönnt, was ich sonst immer tue, dann nämlich wenn ich reise, unterwegs bin, um neue Eindrücke zu sammeln. In diesem Jahr kreiselte ich ausschließlich um den eigenen Schornstein, war froh und auch dankbar dafür, überhaupt einen zu haben und einen Garten. Die Nase zwischen meine blühenden Gefährten zu stecken hat mir aber nur einen Bruchteil der Kraftreserven beschert und auch deutlich weniger Kreativitätsimpulse, wie sie mir sonst das Reisen gibt. Ja, es fehlt auch mir die Tapeten wechseln zu können. In meinen Beiträgen fällt mir auf, wie oft ich mich mittlerweile wiederhole. Wie leer geschrieben ich mich fühle. Zum Jahresende hin hat mich gar eine Leseflaute erwischt.

Auch ein wenig erschrocken bin ich darüber, wie wenig wirklich eindrückliches mir aus diesem Lesejahr geblieben ist, dies im Vergleich zu den Vorjahren. Wo sich am Jahresende die Autoren und Titel sonst um einen Platz auf meiner inneren Bestenliste gedrängelt haben. Vieles ist schon wieder verblasst, vielleicht ja auch wegen dieses einen Themas, das alles zu ersticken droht. Corona, beherrscht jede Schlagzeile, alles was wir tun, vieles was wir lassen müssen. Ich habe viel gelernt in diesem Jahr, auch so manches was ich gar nicht habe lernen wollen. Über mich, über Freunde, Bekannte, Familienbande und Fremde. Alltagsphilosoph könnte man werden, wenn man denn das Zeug dazu hätte.

Wie soll also ein Weiter aussehen, wenn man mit dem Jetzt nicht zufrieden ist? Diese Frage ist leichter gestellt als beantwortet …

Mit dem Blick auf mein Bloggerinnenleben habe ich sie mir so gegeben und ich will sehen, wo mich diese Antwort hinführt: Weniger Jagd auf Neuerscheinungen will ich machen in 2021. Wenige ausgewählte Titel sollen es werden. Ich will wieder mehr Lyrik lesen, gerade in diesen letzten Wochen des Jahres habe ich jeden Tag ein Löffelchen genommen und es tut so gut! Lust auf Klassiker habe ich wieder und was haben sich da für vielversprechende Titel ungelesen in meinem Regal angesammelt. Darunter auch besondere Kriminalromane. Es wird Zeit. Zeit für mich, sie endlich zu entdecken.

Schöne Bildbände. Wann habe ich mir eigentlich zuletzt die Zeit genommen mit einer Tasse Kaffee oder Tee in einem zu blättern? In aller Ruhe und mit Muße? Meine Entdeckungen, die ich so zu machen hoffe, will ich weiterhin gerne mit Euch teilen. Ebenso gerne will ich auf diese Titel noch einmal den Spot ausrichten:

Weil sie wie Sternschnuppen für mich waren, die in diesem belastenden Jahr an meinem Bücherhimmel verglüht sind und die ich immer noch sehen kann, wenn ich meine Augen schließe: 

<Taghaus Nachthaus> von Olga Tokarczuk, <Eisfuchs> von Tanya Tagaq, <Dahinter das offene Meer> von Ben Smith,  <Der Tod des Löwen> von Auguste Hauschner, und außer Konkurrenz, die grandiose Hörbuch-Fassung von: <Und auf einmal diese Stille> von Garrett M. Graff. Letzterer ist mein Herzenstitel in diesem Jahr. Meine Besprechungen dazu findet Ihr wie gewohnt vollständig auf dem Blog, klickt einfach für den Absprung auf das jeweilige Cover, welches in diesem Blogbeitrag eingebettet ist.

Wo Tokarzcuk mir ein wahrhaft rauschhaftes, hypnotisches Leseerlebnis verschafft hat, hat mich Tagaq szenisch und stilistisch beeindruckt, Frau Hauschner hat für mich sprachlich alle an die Wand geschrieben und Mr. Smith, der dystopische Poet in dieser Runde, ihm gehört meine diesjährige Fangirlschwärmerei. Last but not least hat Garrett M. Graff mich so dermaßen aufgewühlt, wie es mir in einer Hörbuchfassung bislang noch nie passiert ist. Dies nicht nur der unfassbaren Inszenierung, des Sprecher-Ensembles und der Regie wegen, sondern auch, weil mir mit seinen zusammengetragenen Augen- und Ohrenzeugenberichten des Attentats vom 11. September derart unerwartete Einblicke gewährt wurden. Allen diesen Titeln ist darüber hinaus eines gemein, sie sind für mich mit reinstem Herzblut, nicht mit Tinte geschrieben.

Ich wünsche Euch, uns, ein 2021 mit vielen spannenden Entdeckungen, reichlich Zuversicht und der Portion Glück, die es braucht um mit heiler Haut davonzukommen.

Wir lesen uns, wenn Ihr mögt und mich auf meiner weiteren Blogreise begleitet (darauf hoffe ich!) bald wieder.

Eure Petra

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