… vom Glück, im Freien zu sein

Freitag, 20.10.2017

Der Herbst ist hier bei uns, auf den Höhen des Hunsrücks schon weit fortgeschritten. Gestern war dann auch bei mir “Gartentag”. Bergeweise Laub wollte entsorgt, Sträuche und Bäume mussten gestutzt werden. Bei herrlichem Sonnenschein und um die zwanzig Grad, ging die Arbeit leicht von der Hand. Unser Ginkgo strahlt mit dem blauen Himmel um die Wette.

Eine Kaffeepause mit meiner lieben Gartenfreundin, zwischen all den Abschnitten meiner japanischen Zierkirschen und unserem Hortensien tat gut.

Steckt man die Hände jetzt in die Erde, riecht es anders als im Frühling. Das feuchte Laub, es zerfällt um dem Boden neue Kraft zu geben. Ich liebe es, den Wandel der Jahreszeiten im Garten zu erleben, manche meine Gehölze habe ich sogar ohne Blätter am liebsten, sieht man doch dann erst wie schön gewunden Äste, wie bunt die Rinde ist.

Meinem Lieblings-Gärtner in der Buchwelt, Jakob Augstein, dessen Buch “Die Tage des Gärtners” ich hier schon vorgestellt setzt der Herbst besonders zu. Verständlich einerseits, wird sie ihn und alle anderen Hobbygärtner als Vorbote des Winters ja erstmal zur Tatenlosigkeit verurteilen und ins Haus verbannen. Ich ticke da anders, geniesse auch die Zeit hinter der Fensterscheibe, plane eine Veränderung in den Beeten, streife auf Ideensuche durch meine Gartenzeitschriften. Blättere auch in Augsteins Erlebnissen, schaut mal, was ich da so gefunden habe. Bei ihm ist das immer mit einem Augenzwinkern gemeint, das nimmt ihm dann doch etwas von seiner Schwermut, wenn er an den Herbst denkt:

Textzitat S. 67, Tage des Gärtners, Jakob Augstein

… Am Ende des Sommers müssen Sie Ihren Garten aufräumen, so wie man als Kind am Abend eines langen Tages sein Zimmer aufräumen musste. Das hat ein bisschen mit der Sorge um die Pflanzen zu tun und sehr viel mit der Liebe zur Ordnung. Der Winter ist an sich kein Spaß. Aber ein unaufgeräumter Garten im Winter ist wirklich sehr, sehr deprimierend. Wenn schon alles um uns herum stirbt, sollten wir wenigstens die Form wahren …

S. 69, Zitat Franz Biberkopf

  • Inzwischen melden sich die Jahre, der Mottenfrass zermürbt die Haare.
  • Es kracht bedenklich im Gebälke, die Glieder werden schwach und welke
  • Die Grütze sauert im Gehirn und immer dünner wird der Zwirn.
  • Kurzum, du merkst, es wird jetzt Herbst, Du legst den Löffel hin und sterbst.

S. 68

… Und dann zieht sich das Leben in Ihrem Garten in die Erde und Sie sich ins Wohnzimmer zurück. Im Spätherbst gehen Sie nochmal raus und atmen diese besondere Luft ein, die jetzt samtig ist mit dem Duft der Erde und der Dunkelheit. Dann machen Sie die Türen zu, damit die Kälte nicht ins Haus kommt …

Recht so. Jetzt, wo sich das Unkrautwachstum endlich verlangsamt, bleibt mir etwas mehr Zeit zum Lesen …




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