Petras Reise-Logbuch (3 von 4) *Lissabon – Cadiz*

Montag, 17.09.2018 Auf See – Atlantikküste

Heute gönne ich meinem Tagebuch und meinen Füßen eine Pause. Ich muss schon sagen, Pflastertreten ist schon ganz schön anstrengend. Und immer auch den Kopf im Nacken um die hübschen Fassaden zu bestaunen, die Balkone – da freue ich mich heute mal auf schön ausschlafen, Sauna. JA – richtig gehört. Heute ist das Wetter etwas husselig, bei so um die 20 Grad, wir merken wellentechnisch das Sturmtief, dass sich zum Glück irgendwo weit draußen auf dem Atlantik austobt, schon auch mit lang auslaufenden Wellen und Wind. Da darf man auch mal etwas länger in der Koje liegen.

Am Nachmittag klart es auf und ich stecke an Deck die Nase in den Wind. Wir drehen ein paar Runden auf dem Schiff, das schlägt dann pro Runde schon mit einem Kilometer zu Buche. Nicht das der gute Kuchen und die leckeren Desserts am Ende doch noch ansetzen …

Zwischendurch lausche ich aufmerksam den Vorträgen unserer Lektorin über die kommenden Häfen. Was man da nicht alles entdecken kann – es gilt ganz eindeutig wieder einmal Schwerpunkte zu setzen.

Am Abend geht es ins Konzert – es gibt Fado – ich bin gespannt. Eine brasilianische Sängerin wird von ihrem Kollegen virtuos auf der Gitarre begleitet und entführt uns in diese melancholischen Klangwelten. Ich bin ganz eindeutig angefixt von dieser sehnsuchtsvollen Musik.

Dienstag, 18.09.2018 Lissabon

Heute bin ich schon vor der Sonne wach, das allerdings nur bedingt freiwillig. Andi schnarcht friedlich, während das Meer versucht mich mit auffrischender Dünung aus dem Bett zu rollen. Ist gerade nochmal gut gegangen! Wo ich jetzt schon mal wach bin, lohnt sich ja vielleicht schon ein Blick vom Balkon?

Die Mündung des Tejo liegt nachtblau vor uns und kurz vor der Brücke des 25. April, die ihn vor Lissabon überspannt, steigt der Lotse zu. Die Sonne wird erst kurz nach 7 Uhr aufgehen, die ersten Strahlen treffen wir beim Frühstück, um 9 Uhr wollten wir in der Stadt sein, haben eine Verabredung mit der legendären nostalgischen Tramlinie 28.

Als wir dann tatsächlich wenig später durch die engen Gassen der Altstadt Lissabons rattern, quietsche ich auch – vor Freude, so wie die alte Straßenbahn bei diesen Schussfahrten. Zu weit darf man den Ellbogen nicht aus dem offenen Wagon-Fenster halten, sonst schrammt man ihn sich an der nächsten Hauswand blutig. In die Auslagen der Geschäfte kann man greifen, witzig wie die Fußgänger zwischen Mauern und Bahn eingeklemmt schnell noch die Handys heben um ein Foto von uns zu schießen, ein bisschen wie im Zoo ist das …

Tolle Ausblicke auf Plätze, das Meer hat man und immer wieder sind steile Anstiege für die Bahn zu bewältigen. Man fühlt sich wie in den Straßen von San Francisco, auf so vielen Hügeln ist Lissabon gebaut. Gut zu wissen, dass die alte Tram gleich vier Arten zu bremsen kennt. Sogar Sand wird auf die Schienen gepustet um die Fahrt an besonders steilen Stücken und um Kurven zu verlangsamen. Na, da bin ich ja beruhigt, das scheint tatsächlich seit Jahr und Tag zuverlässig zu funktionieren. Historisch ist die Bahn auf jeden Fall, die Sprungfedern der Sitzbank sprechen da eine ganz eindeutige Sprache!

In der Nähe des Rossio, einem zentralen Platz in der Stadt, steigen wir wieder aus und wandern zu Fuß weiter. Wir suchen den Elevador de Santa Justa, eines der Wahrzeichen der Stadt und einer der Aufzüge, die die Unter- mit der Oberstadt Lissabons miteinander verbinden. Ob es jetzt wirklich ein Schüler von Gustave Eifel war, der den Aufzug aus Metall, der dem Eifelturm vielleicht ein klein wenig ähnelt, entworfen und gebaut hat, darüber streiten die Gelehrten. Egal – ich finde es ist ein tolles Teil.

Auch sehenswert und ganz hier in der Nähe, ist das Portal des neomanuelinischen Bahnhofs Rossio (auf dem Foto oben mit der Tram). Schneeweiß wie frisch gereinigt grüßt die Fassade zur Straßenkreuzung hin. Auf unserem weiteren Weg immer wieder schöne Geschäfte, alte und neue. Sardinenbüchsen wetteifern in den Auslagen mit der Mode teurer Marken. Immer wieder dazwischen auch kleine Restaurants und Bars, man sitzt hier auf schön gestalteten Gehwegen auf Klappstühlen und genießt.

Vorsicht, nicht stolpern! Da dachte ich doch ich trete in eine Senke, dabei ist hier auf dem Rossio das Mosaik nur so geschickt in Wellen gelegt. Genial wieviel Handarbeit und Mühe hier in den Bodenbelägen öffentlicher Plätze und in Trottoirs steckt. Lissabon hat weltweit übrigens in m2 gerechnet die größte verlegte Fläche an Kopfsteinpflaster. Dies ist ebenso typisch, wie die schönen mit Fliesen verzierten Häuserfassaden. In blauweiß gehalten sagt man hier Azulejos zu dieser Technik.

Wir wollen noch weiter – die Stadt ist weitläufiger als gedacht, ein Bus ist gefragt. Im Stadtteil Bélèm liegen weitere für Lissabon Reisende begehrte Sehenswürdigkeiten. Der Torre de Bélèm, wieder ein Teil der UNESCO Welterbeliste, das Kloster Hieronymus und das Denkmal von Heinrich dem Seefahrer, auch wieder ein schöner Platz mit Mosaik Boden, der einen hier direkt am Tejo erwartet. Von Bélèm aus hat man auch einen schönen Blick auf die Brücke des 25. April – die an die Golden Gate Bridge erinnert. Am rechten Ufer oberhalb des Tejo blickt der Christus von Lissabon schützend auf die Stadt. Eine originalgetreue Kopie des Christus von Rio de Janeiro übrigens, nur etwas kleiner. Auch an Venedig hat mich hier ein Platz erinnert, der Praca de Comercio. Der Handelsplatz läßt mich, sieht man mal vom Campanile und dem Dogenpalast ab, an den Marcusplatz denken.

Man spürt aller Orten, dass die Portugiesen als Seefahrernation überall auf der Welt Eindrücke gesammelt haben. Wie ein “Best of” wirkt die Stadt auf mich. Gleich vier botanische Gärten sind Zeugen dafür, was man an Artenvielfalt weltweit mitgenommen hat. Verteilt hat man auch, man sagt den Portugiesen nach, sie hätten den Tabak nach Indien gebracht. Tja dann …

Ach ja, nicht zu vergessen, mit San Francisco hat Lissabon nicht nur die hügelige Struktur, seine Tram und seine Brücke gemeinsam. Beide Städte wurde auch von einem schweren Erdbeben, mit einem sich anschließenden verheerenden Brand heimgesucht. In Lissabon war das 1755.

Mir tun wieder die Füße weh, aber ein klein wenig bummeln in der Altstadt Alfama muss noch sein. Die Sonne nimmt auch keine Rücksicht auf müde Touristen wie mich und scheint immer noch was das Zeug hält von einem wolkenlosen Himmel. Zum Glück ist der neue Kreuzfahrt-Terminal – okay, architektonisch ist es echt kein Bringer, direkt gegenüber der Alfama und der Rückweg zum Schiff ist anschließend nicht weit.

Auch darüber streiten sich mittlerweile die Stadtplaner. Gut gemeint, ist das Gegenteil von gut. Für die zahlreicher werdenden Kreuzfahrer wollte man den Haltepunkt vom Containerhafen in der Nähe von Bélèm nach Alfama verlegen. Vom Schiff aus kann man so bei einem guten Liegeplatz wie dem unseren zwar ein malerisches Panorama genießen. Der Altstadt selbst hat das allerdings nicht gut getan. Früh morgens wenn alle von Bord wollen, heute liegen hier drei Schiffe vor Anker, wird es sehr voll und der Verkehr kollabiert.

Aber zurück zu meinem Blick in die Altstadt. Leicht morbide sei der Charme kann man in Reiseführern nachlesen. Ich würde mal sagen, die drei Kräne die man heute hier am Himmel sieht reichen nicht um zu verhindern, dass den Lissabonnern ihre Stadt unter dem Hintern zusammenfällt.

Tja, wie war das jetzt noch mit dem Fado in der Stadt? Obwohl in Alfama ein Fado Museum untergebracht ist, habe ich diese Klänge in der Stadt vermisst, da muss man wohl eher am Abend in den Lokalen unterwegs sein. Vor einem Souvenir-Shop ist ein Händler auf die Straße getreten und hat gesungen, einfach so – so soll der Fado auch entstanden sein, des Volkes Seele wollte sich einfach seine Wehmut von der Seele singen. Schön sind sie diese Klänge und sie rühren auch an mein Herz …

Wie ist jetzt mein Fazit auf dem Weg zurück an Bord von Lissabon? Ein seltsames Gefühl hat sich in mir festgesetzt, zwiegespalten bin ich. Gerne will ich nach diesem Streifschuss mehr von Portugal kennenlernen, von seinem Fado, von seinen Leckerbissen, den Landstrichen jenseits seiner Hauptstädte. Von Lissabon selbst, der weißen Stadt, bin ich eher nicht sooo begeistert wie ich es erwartet hatte. Doch sehr überlaufen, selbst jetzt in der Nebensaison, unglaublich dreckig die Altstadt, vielleicht kommt ja morgen die Müllabfuhr um die vielen Stapel und Säcke abzuholen? Wer weiß? Die Elektroinstallationen an den Häusern entlang sind sensationell, ja spektakulär und verursachen bei der hohen Luftfeuchtigkeit sicher den ein oder anderen Kurzschluss. Die Stadtplaner haben nach meinem Gefühl nicht das richtige Händchen bewiesen um den Verkehr verträglich zu entlasten.

Man darf gespannt sein, was die Zukunft Portugal und ihrem Job Motor Lissabon bringt. Ich will gerne ein Auge drauf haben …

Mittwoch, 19.09.2018 Cadiz – Andalusien

Der Nebel lichtet sich mit jedem Meter den wir uns Cadiz nähern. Die Wettervorhersage verspricht schwüle 33 Grad. Oh Ha! Wir haben früh um 9 Uhr schon 23 Grad. Da muß heute mein Sonnenhut im Miss Marple Style zum Einsatz kommen, beim Bummel durch die Altstadt der ältesten spanischen Stadt, die gleichzeitig auch die älteste Stadt Westeuropas ist.

Ich hoffe auch darauf, dass die in den spanischen Altstädten gewählte Bauweise mit zahlreichen, verästelten, engen Gässchen wirklich vor der Hitze schützt. Die Sonnenstrahlen gelangen in solchen Gassen nicht bis auf den Boden und man kann so auch um die Mittagszeit im Schatten wandeln. Das werden wir heute mal live testen.

Schon die ersten Schritte hier an Land erinnern mich an die Karibik. Genauer gesagt an Havanna, Kuba mit seinem Malecon, seiner Uferprommenade. Die Pastelltöne der Häuser am Hafen. Schöne Strände hat es hier ebenfalls, gut die Wassertemperatur ist mit unter 20 Grad eher nicht karibisch, aber das Meer zeigt auch hier viele Türkistöne. Sauber und gut ausgestattet liegen die Strände überwiegend in den neuen Stadtteilen. Dieser eine Strandabschnitt direkt an der Altstadt gelegen liegt aber so malerisch mit altem Badehaus, dass nicht nur mir, sondern auch Hollywood aufgefallen ist, dass es hier aussieht wie auf Kuba. Die Filmschaffenden ließen hier bei Dreharbeiten zum James Bond “Stirb an einem anderen Tag” Halley Berry im knappen Bikini aus dem Wasser steigen und sich mit Pierce Brosnan anlegen. Ich erinnere mich an die Szene, blicke auf die unzähligen Fischerboote die bis weit nach draußen auf dem Wasser verankert liegen und frage mich, wie wohl der Fischer auf das Boot ganz da vorne, äh da hinten, früh morgens hinkommt …

Zurück in den Schatten, in die verwinkelten Gassen der Altstadt, mit ihren schön gefliesten Hausein- und Durchgängen. Viele von ihnen münden in wunderschöne palmengesäumte Plätze.

Auf dem Fischmarkt wird schon aufgeräumt, hier sind wir für heute einen Schritt zu spät. Aber was für einen Schritt, bzw. Schritte wir bis hierher gemacht haben!

In der Mittagshitze harren hier nur noch wenige Touristen aus, eine Schlange gibt es gerade keine und wir lösen ein Ticket für die Kathedrale von Cadiz. In spanischen Kirchen zahlt man überwiegend einen Eintritt, weil es hier zum Erhalt keine Kirchensteuer gibt – zum Unterhalt dieser Kirche leiste ich gerne einen Beitrag. Die Deckenfresken bröckeln schon und man sieht ihnen die vom Meer eindringende Feuchtigkeit an. Netze musste man schon spannen um das Herabfallen von Kleinteilen aufzufangen. In ihrem Inneren schlicht, hell und mit beeindruckend hohem Gewölbe und mit gruselig hallenden Katakomben, in die wir hinabsteigen. Des Echos wegen, was man hier in der Mitte der Krypta hat. Tritt man etwa mit dem Fuß fest auf, werfen die Wände den Ton vielfach zurück. Ich kriege eine Gänsehaut. Unheimlich ist das!

Froh wieder im Licht zu sein, steigen wir anschließend der Kathedrale, respektive ihrem Glockenturm auf’s Dach. Außer Atem kämpfe ich mich, mittlerweile klebt alles an mir, mit müden Beinen die letzten Meter des sich aufwärts windenden Ganges aus Muschelkalk, auf den Turm hinauf. Jetzt noch eine enge Wendeltreppe, dann ist es geschafft, ich sehe Licht.

Wow, wow, wow – dreimal WOW! Der Blick der sich von hier oben auf die Stadt, die Kupel der Kathedrale und auf das Meer bietet ist nicht atemberaubend, man könnte schlicht ohnmächtig werden!

So! Das ist er also, mein Lieblingsort auf dieser Reise. Basta! Was soll da Bitteschön noch kommen. Muss auch nicht! Pst – ich tanke jetzt mal Glück auf. Stehe staunend da und freue mich einfach, das ich hier sein darf. Das ist mit Geld nicht zu bezahlen …

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich wieder an Bord und genieße die Aussicht auf die neue Hafenbrücke von Cadiz, die 2012 eröffnet eine deutliche Verkehrsentlastung für die stark frequentierte Stadt gebracht hat. 2012 ist hier viel passiert auch der neue Kreuzfahrthafen wurde in Betrieb genommen, er hat jetzt eine Wassertiefe, die auch Schiffe wie das unsere aufnehmen kann, zuvor musste man hier laut und aufwändig tendern.

Ja ich weiß, man kann geteilter Meinung sein, ob der zunehmende Tourismus gut oder schlecht für Städte wie Cadiz ist. Im Gegensatz zu Lissabon, den direkten Vergleich zu gestern haben wir ja noch, haben die Spanier meiner Meinung nach infrastrukturell und städteplanerisch das bessere Händchen. Cadiz ist geschäftig wie andere touristische Hotspots auch, aber weder versinkt die Stadt im Verkehrschaos noch ist sie so überlaufen, dass man den Spaß verliert.

Meine Gedanken schweifen ab zu dem was wir hier gesehen und gehört haben. Ich träume von Ufern, gesäumt mit Häusern in karibischen Pastellfarben, von kreischenden Möwen, aufstiebenden Tauben, finsteren Gewölben, lichtdurchfluteten Glockentürmen, dem Sirren in meinen Ohren, nachdem der letzte Glockenton aus nächster Nähe verklungen ist. Von dem Gefühl, was er mir im Bauch gemacht hat. Wie leicht mein Herz auf einmal war.

Von Flamenco Tänzerinnen, riesigen Zwillings-Banyon-Bäumen, von den Salzwiesen vor der Stadt und von Brücken die sich aufstellen um Schiffe mit Wind in den Segeln passieren zu lassen. Ein grandioser Tag am Meer, in einer wunderschönen Stadt neigt sich dem Ende zu. Bis zu unserem nächsten Ziel ist es nur ein nautischer Katzensprung – Gibraltar an der gleichnamigen Meerenge. Very british, mit der Ausnahme des Linksverkehrs, soll es dort zugehen.

Wir haben noch keine Pläne – kann man das glauben?

Schiff ahoi – Sonnenuntergang voraus! Ich träume schon wieder auf dem Weg nach Gibraltar …

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2 Kommentare

  1. Petra
    15. Oktober 2018

    Einfach nur DANKE, dass Du dabei bist und für das liebe Feedback, Dorothee!

  2. Dorothee
    14. Oktober 2018

    Einfach nur: DANKE dafür, dass ich Deine Eindrücke mit Dir teilen darf!

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