Macbeth (Jo Nesbo)

*Rezensionsexemplar*

Kurz-Rezi von Andreas

“Strauchelt der Gute, und fällt der Gerechte, dann jubilieren die höllischen Mächte”. (Textzitat)

Ein Kinobesuch –  Jahre ist er her. Heute gibt es dieses Kino, das mich in meiner Kindheit und in jungen Erwachsenenjahren begleitet hat, nicht mehr. Damals, also vor dem Besuch am Abend,  standen Action oder Klassiker zur Wahl. Petra durfte dieses Mal entscheiden.

Genau, ihre Wahl fiel nicht zu Gunsten der Action aus, wir gingen in die Verfilmung eines Literatur-Klassikers.  Von Hamlet den Anfang bekam ich noch mit, habe dann alles in Reimform, dazwischen verpaßt … und bei “am Ende nichts als Schweigen” …  die Augen wieder aufgeschlagen. Mein Schlaf dazwischen war nicht erholsam gewesen. Ständig dieses Anrempeln meiner Sitznachbarin, wodurch mein gesundes Schnarchen wiederholt beeinträchtigt wurde.

Jetzt erschien dieser Titel, Macbeth von Nesbo, der im Rahmen eines Autoren-Projektes Shakespeare adaptiert und in die Gegenwart verlegt. Mit ihm wollte ich den Altmeister jetzt doch noch knacken, in ein Thrillerkleid gewandet, spannend sollte er sein, die menschlichen Abgründe widerspiegeln und bitte ohne Reime, das waren die Parameter, die er für mich erfüllen sollte.

Kurz noch vorweg – ich kenne die Originalhandlung nicht und sie hat mir rückblickend auch nicht gefehlt.

Macbeth (Jo Nesbo)

… und so geht es los.

Es regnete und der nächste Einsatz an einer Hafenanlage stand an. Es wurde eine Gang erwartet und es galt für die Polizei Rocker und Drogen voneinander zu trennen.

Vorhang auf für die Hauptfiguren Duff und Macbeth, sie gehören zur örtlichen Polizei, sind zwar in unterschiedlichen Bereichen eingesetzt, aber Beide bieten dem Verbrechen Widerstand.  Nach wenigen Seiten greift  Waffengewalt ins Geschehen ein. Langeweile gibt es jetzt schon nicht mehr.

Macbeth ist zum Roman-Auftakt als Vorgesetzter einer Spezialeinheit eingesetzt. Irgendwie aber nicht ambitioniert, seinen Weg nach oben voranzutreiben. Er sieht eher den Kollegen Duff, die nächste Karrierestufe nehmen. Und Duff sieht dies auch als sein Recht an.  Die Beiden kennen sich schon seit Kindertagen. Die Frage, woher Macbeth dann doch plötzlich einen Drive bekommt um Karrierist zu werden, wird sich schon bald beantworten. Dann nämlich, als eine weitere Hauptakteurin die Bühne der Buchseiten betritt – Lady. Selfmade-Frau, Lebensgefährtin von Macbeth, Intrigantin, Manipulatorin, Wahnsinnige. Ihre unbedingte Liebe, die Abhängigkeit von einem anderen Menschen läßt das Todesspiel beginnen und läutet das Verderben ein um den Verbrechenssumpf auszutrocknen.

“Mit Feuer getauft im Blut vereint” – ob es ein Zitat aus dem Original-Shakespeare ist und in die Gegenwart transformiert wurde? Irgendwie erschienen mir manche Sätze fremdartig, nicht richtig passend und doch haben sie dem Buch einen ganz eigenen Charakter gegeben.

Die Handlung ist kraftvoll, machtvoll und hat alles was für mich zu einem guten Thriller dazu gehört. Rockergang, Drogen, Gewalt, Machtgier, Machtverlust und Tod.

Düster ist sie diese Story, eine Stadt ertrinkt im Regen. Sicherlich ist die vorherrschende Wetterlage als eingesetztes Stilmittel dem Originalschauplatz Schottland zu verdanken und sie paßt stimmungsvoll. Traf sich im Klassiker der Adel im Schloß, so bildet bei Nesbo ein Casino die Kulisse in der sich die Größen der Stadt zeigen.

Wie ich nach dem Lesen erfahren habe, tragen die handelnden Personen weitestgehend ihre “Originalnamen”. Wobei keiner der Namen mir ungewöhnlich erschienen ist, lediglich der von Macbeth in der Jetztzeit ist schon eher gewöhnungsbedürftig.

Als Resümee – für mich war dieser Shakespeare-Ausflug in die Nesbo-Adaption eine tolle Erfahrung und ein Lesevergnügen, das ich nicht mehr missen möchte.

 

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2 Kommentare

  1. Petra
    24. November 2018

    Dankeschön für Dein Lob, Dorothee – ich leite es an Andreas weiter, der diesmal seinen Eindruck beigesteuert hat. Mir scheint das durchaus ein spannendes Autoren-Projekt zu sein und es sorgt auf jeden Fall dafür, das solch historische Stoffe in neuem Gewand eine breitere Leserschaft erreichen. LG von Petra

  2. Dorothee
    22. November 2018

    Oh je…das tolle Stück als Krimi von DEM Autor…ich mag solche Adaptionen nicht, frage mich dann immer, warum der Autor sich keinen NEUEN Plot einfallen ließ!
    Ich hab aber schon mitbekommen, dass sich die unterschiedlichsten Autoren den Werken Shakespeares angenommen habe – sogar Margret Atwood!
    Deine Rezi ist aber – wie immer – gut und interessant!😉

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