Literaturhotels (Barbara Schaefer)

Hier möchte ich auch meinen Kopf niederlegen, meine müden Knochen, mein Herz. In eines dieser Betten, in einem dieser Zimmer, zu einem Buch greifen, das Rascheln der Seiten genießen. Hier haben SIE schon vor mir übernachtet, Hermann Hesse, Agatha Christie, Ernest Hemingway.
Haben aus den gleichen Fenstern geschaut, wurden von den gleichen Wänden umschlossen, umsorgt, haben hier geträumt, gegrübelt und geschrieben. Hier hat sich die Luft vollgesogen mit ihren Ideen … 

Erstaunlich, oder auch nicht, es waren vor allem die männlichen Schriftsteller, die der Autorin dieses Hotelführers in den namhaften Hotels dieser Welt sogar meist mehr als einmal begegnet sind. Unter ihnen Hemingway, aber auch Mann, Hesse und Graham Greene. Letztgenannter, so meint sie, scheint nahezu in jedem Hotel in den Tropen eingecheckt gehabt zu haben. Was bei ihr die Frage aufwirft, wie sich die Autoren das wohl leisten konnten, vom Poeten in der Dachkammer, meint Barbara Schaefer, waren diese Herren offenbar weit entfernt. Die Damen der schriftstellerischen Zunft hingegen machten sich rar in den Hotels dieser Welt. Eine Ausnahme bildete Agatha Christie und Virginia Woolf forderte gar im Privaten ein eigenes Zimmer für Frauen die Schreiben und einen der ihnen den Rücken freihielt, sowie es Thomas Mann seine Katia ermöglicht hatte, die sechs Kinder hütete, während ihr Mann Weltliteratur schrieb …

Literaturhotels von Barbara Schaefer

Auf den Spuren von Hermann Hesse, Agatha Christie, Ernest Hemmingway und anderen

Heute nehme ich mir frei. Nehme mir die Zeit einmal zu tun und zu lassen was ICH will. Nehme mir Zeit für eine Reise in Bildern, an Orte, die Geschichte atmen, die inspirieren. Ich sitze in unserer Küche und in meiner Tasse dampft der Tee, ich knabbere gedankenverloren an einer guten Bitterschokolade. In aller Ruhe blättere ich mich durch die Seiten dieses schönen Bildbandes und in Gedanken bin ich ganz schnell ganz weit weg, schlendere durch Hotelflure ehrwürdiger Häuser, öffne Tür um Tür, Zimmer um Zimmer und spähe hinein. Wie viel Liebe hier im Detail steckt, in der Einrichtung, der Dekoration. Sich willkommen fühlen, ankommen, den Alltag mit den Kleidern in den Schrank hängen. Endlich Ferien …

SIE kamen hierher um zu arbeiten, meist nicht der Kurzweil wegen, wählten eine Art freiwilliges Exil, brachten ihre Ideen mit, ihre Kunst. Füllten Seiten und die Räume mit Wörtern, mit ihren Geschichten und Gedanken. 

So schön fotografiert! So treffend beschrieben. Der Glanz vergangener Epochen eingefangen zwischen reichlich bebilderten Seiten. Spiegelnde Parkettböden, funkelnde Kronleuchter, Aussichten die sprachlos machen, auf die Berge des Engadin, auf den Golf von Sorrent, auf den Ätna, hier kann man den Blick schweifen lassen über die Dächer, auf Sizilien.

Auf dieser Terrasse ließ sich D.H. Lawrence zu Lady Chatterley inspirieren. An diesem Fenster muss Hermann Hesse nachdenklich gesessen haben, auf dieser Schreibmaschine hieb er in die Tasten, und hier haben die Manns die Winterferien verbracht, hier in der Schweiz begann auch das Exil von Katia und Thomas Mann.

Zelda und Scott Fitzgerald haben den Sommer an der Cote d’Azur erfunden und sind immer hier abgestiegen und in diesem Londoner Hotel hat man Oscar Wilde verhaftet. Auf diesem dicken Teppich haben die Füße von J. K. Rowling gestanden, denn in dieser Suite in einem Edinburgher Hotel schrieb sie ihre Harry Potter Reihe zu Ende und sie hat auch etwas  zurückgelassen … Joseph Roth stieg in Polen stets im Hotel Savoy ab und vielleicht sind sich in diesem Hotel in Istanbul Graham Greene und Agatha Christie an der Bar begegnet? Möglich wäre es, denn im Pera Palace hat Christi ihren berühmten Krimi Mord im Orient Express geschrieben.

Joseph Conrad war einer der ersten Gäste im Mandarin Hotel in Bangkok, und auf der großen Terrasse saß sogar ich schon einmal beim Tee, ohne von seinem Besuch etwas zu ahnen, mit Blick auf den Chao Phraya, Jahre ist das jetzt her …

Wer nach New York kommt muss einfach wissen, das dieses Hotel einst den berühmtesten Literaturzirkel beherbergte und das Dorothy Parker, die Herrin der Theaterkritik hier Stammgast war.

Warum Donna Leon ins Waldhaus zog und wo James Joyce wohnte als er noch Englischlehrer war, in Triest/ Italien, kann man in diesem Buch erfahren. Ihr wollt wissen wo Elke Heidenreich eine Hotel Bibliothek mit Leben gefüllt hat, wo jeder Titel von ihr ausgesucht worden ist und warum? Dann nur zu, blättert los und freut euch, so wie ich an den vielen Details in Schäfers Hotelband, an den vielen Fotos und an ihren begleitenden Berichten. Sie hat ausführlich recherchiert und Hotels getestet um uns bestens mit Informationen zu versorgen, hat sogar Autorenkonterfeis auf Hausfassaden entdeckt und sie versteht es Sehnsucht zu wecken. Nach Komfort, danach sich verwöhnen zu lassen …

Man sieht nur was man weiß. Aus diesem Grund sind Reiseführer so beliebt. Mein Entdeckergeist ist geweckt. Einen Hotelführer wie diesen, in Form eines Bildbandes mit historisch literarischen Bezügen halte ich zum ersten Mal in Händen und ich bin restlos begeistert. Von der Vielfalt der Eindrücke die er bietet, von dem Fernweh dass er mir macht. Von den Ideen die er mir gibt und von der Vorfreude die er weckt.

Gleich ob modern oder altehrwürdig, allen Hotels ist eines gemein berühmte Literaten gehörten zu ihren Gästen. Barbara Schäfer ist es, die uns mitnimmt auf diese Reise um die Welt von Berlin (das Adlon darf natürlich nicht fehlen!) über Sylt bis nach Bangkok. Sie öffnet uns die Türen, gewährt uns Einblicke und beleuchtet die Zusammenhänge auf 169 Seiten, schaut mal, die Bildquellen-Nachweise finden sich alle im Anhang dieses Bandes, die Rechte liegen beim Verlag:

Barbara Schaefer, studierte Theaterwissenschaft und Germanistik in München, sie lebt als freie Autorin in Berlin, von wo aus sie die Welt bereist. Unterwegs faszinieren sie besonders ungewöhnliche Hotels, in vielen, die sie vorstellt hat sie selbst übernachtet, oder zumindest an der Bar einen Cocktail genommen, kann man der Verlags-Info entnehmen, dabei nimmt sie am liebsten einen Literatur-Klassiker zur Hand.

Ach ja, abschließend würde ich es gerne mit Hesse halten, und mir einmal ein paar Tage im Waldhaus Sils leisten, vielleicht mit einem guten Hotel-Roman im Gepäck. Da gibt es noch ein paar, die ich noch nicht gelesen habe und diesen Bildband hier nehme ich auch mit. Denn ankommen ist ja immer vor der nächsten Reise und es gibt ja noch so unglaublich viel zu entdecken, wenn wir denn wieder dürfen. Bis dahin, findet Ihr mich zwischen diesen Seiten … 

Ich bedanke mich beim Verlag Busse Seewald, Top Frech für dieses Besprechungsexemplar.

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