# KILL THE RICH (Lucas Fassnacht)

Gast-Beitrag von Andreas

Sonntag, 09.02.2020

In Zeiten wie diesen … wird alles schlimmer? Wird vieles besser? Wird vieles anders? Wird sicherlich vieles anders, so müsste der Satz wohl weiter gehen. “Anders” und “besser” bedeutet für mich erst einmal abwarten. Für schlimmere Zeiten habe ich dann ein gutes Beruhigungsmittel zur Hand, Filme mit Heinz Erhard, Roy Black oder auch andere alte Heimatfilme. Die sind für mich brutal, brutal beruhigend. Was das Ganze mit dem hier zu besprechenden Buch zu tun hat, das verrate ich Euch … am Ende meines Beitrages …    

#KILL THE RICH von Lucas Fassnacht

Also erst einmal wieder zurück zum Hier und Jetzt. Was wäre, wenn das Auseinandertrifften von Arm und Reich die Menschheit zum Zerreißen bringen würde? Der Roman von Lucas Fassnacht lässt eine solche Szenerie aufleben. Ein Roman der mit 670 Seiten und mindestens 50 wiederkehrenden Personen aufwartet, die fein säuberlich in einer Liste am Ende des Buches nachzuschlagen sind. Wobei von den 50 Handelnden etwa 10 wirklich wichtig sind. Also keine Panik.

Aufstände, Unruhen, Chaos. Los geht das ganze Desaster in Süd- und Mittelamerika, von dort breitet es sich wie eine gefährlich ansteckende Krankheit immer weiter aus. Wie am Titel des Buches schon zu erkennen ist, dem # sei Dank, spielt das Internet eine gewichtige Rolle. Erfrischend ist, es sind diesmal nicht die Amerikaner, die die Welt retten wollen. Es sind in der Mehrzahl die Mitarbeiter, die in Einrichtungen der Europäischen Union in Brüssel arbeiten, wobei die UNO auch eine nicht unerhebliche Rolle spielt. 

Die Hauptakteurin heißt Conrada van Pauli. Sie ist eine Workaholic und hat den Ruf absolut integer zu sein. Die anderen Mitwirkenden auf diesem Roadtrip, sind nicht minder griffig beschrieben wie sie. Die Story nimmt beständig an Fahrt auf.  Personen, die es in der Welt außerhalb des Romans tatsächlich gibt, wie z.B. Frau Federica Mogherini, Putin und auch Trump, lassen das Geschehen erschreckend echt wirken. Wobei der amerikanische Präsident Donald Trump gar in einem ganzen Kapitel (85) wirken darf. Dieses fand ich grandios!

Im Roman gibt es immer wieder Sätze wie “Die Decke der Zivilisation ist dünn”, die mich innehalten lassen. Wie der Lateiner sagen würde, homo humini lupus, denn den guten alten Römern war schon bekannt, dass der “Mensch dem Menschen ein Wolf ist”. Neid, Hass und oft auch die Unzufriedenheit mit der eigenen Situation treiben uns um. Muss ich eines Tages meine Existenz begründen? Lest bei Fassnacht nach und Ihr werdet Euch diese Frage, die er im Buch aufwirft, auch stellen.

Lucas Fassnacht, geboren 1988 in Dieburg, lebt heute in Nürnberg, ist literarischer Kabarettist und Moderator. Studiert hat er Linguistik, Germanistik und Altgriechisch. Seit 2008 tourt er als Poetry-Slamer und gibt Workshops für Kreatives Schreiben. Für ihn sind weibliche Figuren besonders spannend, kann man in einem Interview nachlesen, seine Conrada wollte er den Mächtigen dieser Welt in den Weg stellen. Nur ein gutes halbes Jahr hat für seinen #KILL THE RICH gebraucht, inspiriert hat ihn dazu der Film World War Z mit Brad Pitt bei einem Kinobesuch mit seinem Sohn.

Die eingesetzte Lesezeit hat sich für mich gelohnt. Fassnacht hat mit seinem Debüt einen Roman geschrieben, der für mich sehr realistisch die chaotische Szenerie eines Zusammenbruches der Gesellschaften beschreibt. Fiktion und Wirklichkeit verwischen. Korruption, Geld und Macht sind Grundlage des Chaos und bestimmen unsere Zukunft.

Das Schicksal der Menschheit hängt vom Einsatz Weniger ab, um das Pendel entweder ins Gute oder Böse ausschlagen zu lassen. Bis zum Schluss bleibt es unklar, ob der endgültige Zusammenbruch verhindert werden kann. Das Buch hat mich bis zur letzten Seite unter Hochspannung gehalten. Von daher gibt es eine klare Lese-Empfehlung von mir.

Ich bin dann jetzt auch auf jeden Fall so weit “abgekocht”, um mich in ein ein knallhartes Beruhigungsmittel zu flüchten. Ich nehme mal “Drei Männer im Schnee” …

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2 Kommentare

  1. Petra
    12. Februar 2020

    Sehr gerne, Dorothee, das freut mich. Beste Grüße Andreas

  2. Dorothee
    9. Februar 2020

    Hallo Andreas!
    “Drei Männer im Schnee” ist einer meiner absoluten Lieblingsfilme…😉
    Bei dem Roman schreckt mich ein wenig das viele “Personal”…trotzdem hast Du mich neugierig gemacht!
    Viele Grüße aus Kiel von Dorothee

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