Feuer und Blut (George R. R. Martin)

Donnerstag, 28.02.2019

Ja, ich gestehe, vollumfänglich, freimütig und ohne einen Hauch von Reue: Ich bin ein Fan der HBO Serie “Game of Thrones”, die das Epos von George R. R. Martins “Lied von Eis und Feuer” in einer Bildgewalt nacherzählt, die ihresgleichen sucht. Top ausgestattet und besetzt, das mörderisch spannend. 

Martin verehre ich ebenfalls. Er ist dem guten Tolkien mit der Erschaffung seines Universums absolut ebenbürtig, auf eine moderne, griffige Art, mit seiner Liebe zum Detail, mit seinem Ideenreichtum und weil bei ihm kein Held, keine Figur, jemals sicher ist. Wen er als nächstes zu Fall bringt, das er nie ausrechenbar ist, das macht ihn zu einem großartigen Erzähler und das ergibt einen Wendungsreichtum,  den man erst einmal schaffen muss. Ein Autor, der in der mittelalterbasierten High-Fantasy für mich Meilensteine gesetzt hat.

Während alle Fans so wie ich also auf das Finale warten, wollen Verlag und Autor uns mit einer Geschichte null, die drei Jahrhunderte vor der Serie startet die Wartezeit verkürzen. Schauen, oder besser hören wir doch einmal gemeinsam hinein in das Westeros-Universum und lassen uns von einem Erzmaester aufschlauen …

Feuer und Blut (1) George R. R. Martin

Keine Burg bestand nur aus Stein – als das Feuer vom Himmel fiel ging das auch dem Herrn der Eiseninseln auf, der seine Festung für “unbrennbar” gehalten und bislang jeder Drohung getrotzt hatte. Die hölzernen Balken, die gelagerte Wolle, der Hanf, fingen Feuer, während der riesige Drache weiterhin ausdauernd am Himmel über ihnen kreiste. Auch seine Eisenmänner waren weder aus Eisen noch aus Stein, das musste ihr Landlord jetzt erkennen, denn auch sie brannten – bei lebendigem Leib …

Balerion, Stecken und Stab von Aegon, I. seines Namens, Schild seines Volkes, war ausgesandt worden um sein vernichtendes Feuer über all jene zu bringen, die erbitterten Widerstand leisteten. Dazu gehörten auch die Eisenmänner, die vor Aegon als neuem Herrscher der Sieben Königslande nach wie vor nicht das Knie beugen wollten.  .

Und wenn das Feuer nur heiß genug war, dann zersprang und schmolz schließlich auch Stein. So glühten schon bald die fünf Türme der Burg rot vor dem Nachthimmel, verformten sich, verflüssigten sich und liefen wie rote Tränen, in Rinnsalen am Berghang hinab. Am Ende starben auch Lord Harren und seine Söhne im Feuer. Doch, auch Stein konnte brennen …

George R. R. Martin, geboren 1948 in New Jersey, lebt heute mit seiner Frau in New Mexico. Er gewann insgesamt sechsmal den Hugo Award, zweimal den Nebula Award, und dreimal den Lucas Poll Award. 2013 folgte dann der Deutsche Phantastik Preis für den Besten Internationalen Roman – man könnte ihn durchaus als preisverwöhnt bezeichnen, was ihn aber so gar nicht zu stressen scheint. 

In diesem epischen Kompendium um die Geschlechter von Westeros  starten wir mit Aegon Targaryen, dem Eroberer und seinen fünf Drachen, im Jahr 27 v. A. E.., von denen nur ein Drache überleben sollte, eine wahre Bestie, Balerion. Die Targaryens gehören zu den Drachenlords, einem reinblütigen valürischen Geschlecht, an der Herrschaft über Westeros zeigten sie zunächst kein Interesse, beteiligten sich nicht an den blutigen Kämpfen und Ränken um die Thronherrschaft, residierten gelassen auf Drachenstein. Brüder und Schwester untereinander zu verheiraten war gute Sitte, so hielt man das Blut rein.

Wir erfahren wie es Aegon Targayryen dann doch gelang zum ersten Herrscher über die Sieben Königslande zu werden. In sieben untereinander zerstrittene Königreiche, war das Land aufgeteilt, ständig lagen zwei oder drei der Königreiche miteinander im Clinch. Die beiden streitbarsten lagen ausgerechnet in der unmittelbaren Nachbarschaft von Aegons eigenen Ländereien, die Eiseninseln und die Flusslande. Sich da rauszuhalten war so eine Sache. Als der Lord der Eiseninseln durch den Bau seiner neuen Burg sein Volk an den Bettelstab und, andere Lords mit seiner harten Hand gegen sich aufbrachte, wurde der Ruf laut nach einem Herrscher über ganz Westeros.  

Die Tallys war es, mit deren Hilfe es Aegon glückte die Gefolgschaft der anderen Lords zu erlangen, sie waren die ersten die sich wegweisend den Targaryens anschlossen, weitere folgten und so richteten sie ihre Kraft gegen einen neuen gemeinsamen Feind, den nach wie vor nicht kompromissbereiten Lord der Eiseninseln. Dieser wähnte sich in Sicherheit, man hatte die Burg ja uneinnehmbar auf der Spitze eines Felsdorns gebaut, ganz aus Stein und Stein brannte bekanntlich nicht, da konnten auch die Drachen ruhig kommen. Wie oben bereits erwähnt ging das schief und so war es einzig noch das Königreich Dorne, mit dem Geschlecht der Martells, das sich über Jahrzehnte nicht unterwerfen wollte, zur brennenden Wüste wird, voll von Seuchen und Armut. 

Die Starks im Norden, die Lannisters im Westen, die Tyrells im Süden, den Osten halten die Aryns, die Herren des Grünen Tals als Wächter. Der Eiserne Thron aus Feuer, Stahl und Schrecken geschmiedet, als Symbol dafür das ein neuer Herrscher das Parkett betreten hatte, der sie fortan zusammenhalten soll …

In dieser Vorgeschichte gibt es Details für alle Fans satt. Hier kann man im Faktenreichtum um Königsgeschlechter, Ränkespiele und Intrigen baden. Man lernt schöne Frauen kennen, die als Zauberinnen den Herrschern einflüstern, die zu ihren Konkubinen werden, Einfluss nehmen, die mit Spinnen und Ratten reden können.

Aufstieg reiht sich an Aufstieg, Fall an Fall. Neue Bündnisse werden geschmiedet, andere zerfallen, ein Reich im Wandel, geprägt von mächtigen Männern, kriegerischen und klugen Frauen. Wir erleben die Macht der Kirche im Staat ebenso, wie über dem Schlachtfeld am Himmel miteinander kämpfende Drachen. Hofnarren und brennende Dörfer, gefallene Burgen und Wiederaufbau, Stürze durch das Mondtor, und alle Körperteile können blutig rollen, zimperlich darf man da nicht sein, das waren raue Zeiten …

Wer sich hier allerdings ein Storyboard, bildhaftes und szenisches erwartet wird enttäuscht sein, chronologisch und eher sachlich erzählt der Erzmaester Gyldayn in diesem ersten Buch, ein abschließendes zweites ist in Vorbereitung, von der Geschichte des Hauses Targaryen und seiner 280 Jahre währenden Herrschaft, die andauerte bis Robert Baratheon, den “irren König” Aerys II., vom Eisernen Thron stürzte. 

Wir erfahren wer welchen Drachen reitet, welche Klinge führt, mit wem verheiratet ist und warum, mit wem ein Verhältnis pflegte. Das Boris Baratheon als erste “Hand des Königs” Aegeon I. von Westeros berufen wurde, weil er seine rechte Hand, sein Vertrauter war, der “kleine Rat” wurde gegründet. Aegon der I. seines Names übernahm viele Regierungsgeschäfte selbst, andere delegierte er, so gab es erstmals überhaupt eine Struktur zum Regieren.

Geschlechterfolgen, Hierarchien, Gepflogenheiten, Zerwürfnisse,  Bündnisse, Blut, Krieg und Tod. Anhaltenden Frieden scheint dieses gebeutelte Land nie gesehen zu haben. Sieben Königreiche in all ihrer Unterschiedlichkeit, geprägt durch ihre geografische Lage vom kalten, unwirtlichen Norden bis zum mediteranen Süden.

Auf beeindruckende Weise zeigt sich in diesem Kompendium wie komplex Martin seine Welt erschaffen hat. 

Hörbuch-Fassung, gelesen von Reinhard Kuhnert.

Alle bisherigen Hörbücher von Martin hat er eingelesen. Als Synchronsprecher kennen wir ihn als deutsche Stimme von z.B. Peter Coyote, er arbeitet als Schauspieler, Dramatiker und Buchautor. So war es also nur konsequent ihn mit seiner Erfahrung um den Stoff auch hier einzusetzen. Er bringt sich sachlich ein, besonders gefallen hat mir sein Timbre beim Sprechen der “alten” Stimmen.

Wahre Namenskaskaden ergoßen sich in meine Ohren. Deshalb bin dankbar für dieses wunderschön gestaltete Hörbuch im schmucken Schuber, mit Booklet und Landkarte. Das ist für mich wirklich etwas besonderes, mit herrlichen Zeichnungen und dankenswerter Weise mit einem großen Stamm-Baum-Poster, was sich als überaus hilfreich erweist. Ich habe es mir aufgehängt und immer wieder gespickt. 

Meine Empfehlung wäre, dieses Hörbuch nicht in einem durch zu hören, weil es sonst obgleich seines Detailreichtums und mit satten 30 Stunden Hörzeit überfordern kann. Fans der “Martinschen Welten” sollten es sich vielleicht eher in Happen erobern, oder auch nicht, jeder wie er mag.

Um Euch ein bisschen die Nase lang zu machen habe ich ein paar der Illustrationen hier mal zusammengebastelt. Natürlich ist eine Landkarte von Westeros auch mit dabei, damit man sich die Örtlichkeiten noch einmal bewußt machen kann. Ein echtes Schmuckstück ist diese Hörbuch-Ausgabe geworden, oder?

Quelle: Booklet Random House Audio, Feuer und Blut, von George R. R. Martin
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2 Kommentare

  1. Petra
    4. März 2019

    Wünsche ich Dir weiterhin spannende Unterhaltung, Dorothee. Da kommt noch was auf Dich zu … LG von Petra

  2. Dorothee
    28. Februar 2019

    Hallo Petra! Auch ich schaue im Moment “Game of Thrones”, bin allerdings erst in der 2. Staffel! Gelesen habe ich die Bücher von Martin allerdings noch nicht…Fantasy mag ICH lieber als Film!
    Liebe Grüße-Dorothee

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