Children of Blood and Bone (1) – Tomi Adeyemi

*Rezensionsexemplar*

Donnerstag, 31.01.2019

Wer schon einmal auf dem Kamm einer Düne auf die endlosen Wellen aus Sand geschaut hat, vielleicht sogar einen Sonnenuntergang dort erleben durfte, die feinen Adern bewundern konnte, die der Wind in die Sandberge zeichnet, und die die Sonne dann rot glühend läßt, wie Adern die einen lebenden Organismus versorgen, der wird diesen Anblick nie vergessen.

Wie ein für uns Menschen und viele Tiere so lebensfeindlicher Raum gleichzeitig so wunderschön sein kann!

In eine glühende Wüste führt uns auch die Autorin, die ich heute mitgebracht habe und ja, ich höre einige von Euch schon seufzen – doch keine Angst vor der Fantasy – hier kommt sie in afrikanischem Gewand und das hat man nicht alle Tage …

Children of Blood and Bone – Goldener Zorn (Tomi Adeymi)

Die Bilder, wie die Soldaten vor jetzt elf Jahren ihre Mutter aus dem Haus gezerrt hatten, ihr die Kette aus dem schweren dunklen Metall um den Hals legten, den Vater blutig niederschlugen, und sie unweit des Hauses mit anderen an einem Baum aufhingen, wollten in Zélie einfach nicht verblassen.  Ebenso wenig die Erinnerung an die Schreie der Verschleppten, die sich mit ihren eigenen vermischten, und die nichts mehr ausrichten konnten.

Ausgeliefert waren sie nach dieser Nacht, die alle später nur noch die Blutnacht nennen sollten, an eine ungewisse Zukunft, in einem Königreich, dessen Herrscher alle Magie und alle die magische Fähigkeiten hatten, so wie ihre Mutter, unbarmherzig bekämpfte und auslöschte …

Nach Jahren der Unterdrückung begann jedoch langsam aber stetig, wie ein glühender Funke, der Widerstand in jenen zu keimen, die noch von den Maji abstammten. Als wie aus dem Nichts eine alte Schriftrolle auftauchte, die ein magisches Artefakt zu sein schien, welches die Magie offenbar wieder entfachen konnte und das in die Hände einer Dienerin am Hofe des Köngis gelangt war. So jedenfalls ging die Rede, als die junge Frau vor  König Saran zitiert wurde und als ihren Händen nach der Berührung der Schriftrolle bläuliches Licht entströmte, erstach der König sie eigenhändig und rasend vor Zorn. In dem Tumult, der nach dieser Tat entstand, verschwanden sowohl des Königs Tochter als auch die magische Schriftrolle …

Tomi Adeyemi, geboren 1993, ist eine amerikanische Autorin mit nigerianischen Wurzeln. Diese Wurzeln waren es auch, die sie nach eigener Aussage zu ihrer Fantasy-Welt inspirierten. Nachdem ihr Debüt direkt auf Platz 1 der New York Times Bestenliste eingestiegen war, wird die junge Frau als neuer Shooting Star in der Fantasy gehandelt.

Übungskämpfe, Kämpfe auf Leben und Tod, Respekt und Gehorsam, Hochmut und Trotz, Sieg und Niederlage.  Sklaven, Brot und tödliche Spiele, Arenen angefüllt mit geschundenen Seelen. Reittiere die anmuten als seien sie aus reiner Fantasie erschaffen, die ihren Reitern treue Gefährten sind, im Frieden wie im Kampf. Beschwörungsformeln, endlose Treppen und Gänge, Tempel die von Palisaden aus spitzen Felsen bewacht werden. Filmreife Szenen lassen sich da reichlich finden will ich meinen. Kein Wunder also, das sich  20th Century Fox bereits die Filmrechte an dieser noch im entstehen befindlichen Trilogie gesichert hat.

Was ist Stärke, was Schwäche? Im Kampf den letzten tödlichen Hieb zu setzen oder zu verzichten? Wenn du deine Feinde nicht besiegen kannst, verbünde dich mit Ihnen? Der Hass scheint grenzenlos und immer wieder muss sich ein Königssohn fragen wo sein Platz ist, auch dann, wenn er die Ansichten seines Königs nicht teilt und wie ein Spielzeugsoldat, durch den Wunsch und Willen seines übermächtigen Vaters, auf dem Schlachtfeld hin und her geschoben wird.

Verbindungen zwischen Göttern und Menschen, Seelenverwandschaften, Abgründe aus Enttäuschung und Scham die zwischen Geschwistern klaffen. Plötzlich hat die Magie, das Gespenst der Vergangenheit, ein Gesicht. Sie kann mit Blindheit schlagen,  kann töten,  aus dem Hinterhalt angreifen, mit Stimmen die man nur im eigenen Kopf hört. Mit Bildern, Visionen die sich ungefragt aufdrängen, die sich nicht abschütteln lassen.  Ist Magie ansteckend? Wie wird man sie wieder los, wenn man sie gar nicht besitzen will, man gar das Gefühl hat, sie hat Besitz von einem genommen und nimmt einem das was man jahrelang für die eigene Persönlichkeit gehalten hat?

Weiße Haare, silberne Augen und ebenholzschwarze Haut, das sind die äußeren Zeichen derer, die die Magie einst in sich trugen. Die siebzehnjährige Zélie, eine Divine, Tochter einer Maji, fühlt sich durch ihr Aussehen wie gebrandmarkt. Alle die ihresgleichen unterstützen werden mit einer hohen Steuer belegt und ebenso geächtet wie sie. Es ist ihnen nur noch gestattet in den Elendsvierteln zu leben. Man verachtet sie, hält sie klein. Schon die kleinen Kinder lernen sofrüh, ihr weißes Haar zu verbergen. Fern sind die Zeiten, als zehn Maji Clans zu Gunsten der Menschen wirkten und offenbar sind auch ihre Götter mit der Magie verschwunden. Jetzt herrschen statt ihrer Unterdrückung und Willkür …

Solche Szenen und Weltanschauungen erinnern an ethnische Verfolgungen nicht nur in West-Afrika. Die junge Autorin hat ihr fiktives Land Orisha in das Gewand des schwarzen Kontinentes gekleidet. Bergen die Namen ihrer Großeltern gegeben, Gerichte und Nahrungsmittel ihrer Heimat eingebaut. Schlägt so eine Brücke zu realen Geschehnissen, will wachrütteln.

Brennende Pfeile, loderndes Schilf von Dächern und Hütten, zwischen rotsandigen Wüsten und dichtem Dschungel auf der Suche nach den eigenen Wurzeln, verborgenen Tempeln und verlorener Magie. Eine Königstochter, heldenhafter Mut.

Man kann die Fantasy nicht mehr neu erfinden. Elemente wie der ewige Kampf von Gut gegen Böse, die Ausgrenzung von Minderheiten, das Plädoyer für Freundschaft und Zusammenhalt, an seine Stärken zu glauben, sich einzusetzen, einzumischen, wurden bereits vielfach verwendet. Am Setting aber kann man feilen, eines schaffen, was man so noch nicht ersonnen hat und an den Figuren natürlich, neue Helden kann man ihr geben. Sie unverwechselbar machen, liebens- oder hassenswert, zu Identifikationsfiguren aufbauen. Das versucht Tomi Adeyemi und ich wünsche mir, dass sie ihr Ziel, so habe ich in einem Interview mit ihr gelesen, besonders für farbige Mädchen neuen Lesestoff zu schaffen, der über ihre Zélie dazu ermutigen kann, dass diese an ihre Stärken glauben, gelingen möge. Für mich sind diese Inhalte, die Adeymi hier spannend verpackt transportiert universell, sie können unabhängig von Hautfarbe und Alter Wirkung entfalten, das ist es, was die Fantasy gut kann.

Ich habe ihre widerspenstige Zélie auf jeden Fall ins Herz geschlossen. Besonders auch deshalb weil ihr eben nicht alles gelingt, und weil sie, in bester Absicht den Dingen eine neue Wendung zu geben, auch schon mal das Schicksal herausfordert und damit sich und ihre Lieben in Gefahr bringt. Weil sie ihren Mut erst finden, an ihre innere Kraft erst glauben lernen muss.

Schlußanmerkung der Autorin: “Wir sind alle Kinder von Blut und Bein, und genau wie Zélie und Amari haben wir die Macht, etwas gegen das Böse in unserer Welt zu tun.”

Ich würde es mit einem Liedtext alten, in dem es heißt – “wir sind alle aus Sternenstaub”. Beide, Sänger und Autorin haben recht, wir Menschen sind alle aus dem gleichen Material gemacht. Warum fällt es uns dann so schwer, uns auch fair und tolerant einander gegenüber zu verhalten?

Vanida Karun, gelernte Schauspielerin und Hörbuchsprecherin liefert hier eine runde Fassung ab. Ihre Stimme klingt jung, so paßt sie sehr gut zu den überwiegend jugendlichen Protagonisten. Sie gibt eine mal lebendige, mal einfühlsame Erzählerin und ich sehe mich bei diesem Stoff einmal mit gekreuzten Beinen auf dem Boden einer Rundhütte sitzen um ihrem Vortrag zu lauschen und ein anderes Mal bin ich mit ihr auf der Flucht vor Angreifern, atemlos, angsterfüllt und leicht hysterisch …

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2 Kommentare

  1. Petra
    31. Januar 2019

    Na, dann – ich bin gespannt ;-). LG von Petra

  2. Dorothee
    31. Januar 2019

    Du weißt, ich lese keine Fantasy…aber HIER könnte ich mal eine Ausnahme machen…ich werde mal rein hören!
    Liebe Grüße-Dorothee

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